Interne Revision: von der Pflichtübung zum strategischen Frühwarnsystem

Interne Revision: von der Pflichtübung zum strategischen Frühwarnsystem

Interne Revision: von der Pflichtübung zum strategischen Frühwarnsystem

Die Interne Revision sollte nicht mehr bloß als gesetzliche Pflicht verstanden werden, sondern als Instrument, mit dem Unternehmen Risiken für Rentabilität, Liquidität und langfristige Resilienz frühzeitig erkennen können. In einem wirtschaftlichen Umfeld, das von Kostendruck, digitaler Transformation, der beschleunigten Einführung künstlicher Intelligenz, steuerlichen Änderungen und immer komplexeren Nachhaltigkeitsanforderungen geprägt ist, kann die Interne Revision einen unabhängigen Blick auf jene Risiken und Schwachstellen bieten, die die langfristige Leistungsfähigkeit beeinträchtigen können – so die Expertinnen und Experten von TPA Romania, einem der führenden Unternehmen in Mittel- und Osteuropa für Rechnungswesen, Wirtschaftsprüfung, Steuer- und Rechtsberatung.

„In vielen rumänischen Unternehmen wird die Interne Revision nach wie vor in erster Linie als regulatorische Pflichtaufgabe gesehen. Die Fragen sind immer wieder dieselben: Wurden die Vorgaben eingehalten? Funktionieren die Kontrollen? Gibt es Abweichungen? Diese Sichtweise ist heute jedoch viel zu eng. Mehrwert schafft eine Interne Revision nicht dadurch, dass sie möglichst viele Mängel aufdeckt, sondern dadurch, dass sie dem Unternehmen hilft, wesentliche Risiken zu erkennen und zu steuern, bevor sie eintreten“, sagt Claudia Bratu, Partnerin für Audit & Advisory und Leiterin ESG-Dienstleistungen bei TPA Romania.

Bauwirtschaft: satte Margen, verdeckte Verluste

In der Bauwirtschaft kann ein Projekt auf den ersten Blick rentabel erscheinen, solange nur die Einzelkosten betrachtet werden. Nach sachgerechter Zurechnung der Gemeinkosten kann sich das Bild jedoch erheblich verändern.

„Nehmen wir an, Projekt A weist eine Marge von 10 % auf, Projekt B eine von 5 %. Nach sachgerechter Zurechnung der Gemeinkosten sinkt Projekt A auf 7 %, während Projekt B mit -2 % in die Verlustzone rutscht. Auf Unternehmensebene mag das Ergebnis noch vertretbar erscheinen. Tatsächlich aber finanziert ein gewinnbringendes (rentables) Projekt ein (unrentables) Verlustprojekt. Noch deutlicher wird dies, wenn ein Projekt aus welchen Gründen auch immer in Verzug gerät oder ausgesetzt wird. Die Arbeiten mögen ruhen, Finanzierungskosten sowie Anwalts- und Sachverständigenhonorare laufen jedoch weiter. Die Interne Revision kann einen Margenverfall frühzeitig erkennen und prüfen, ob die erforderliche Nachvollziehbarkeit zwischen Ereignis, Projekt und Kosten gegeben ist“, erläutert Claudia Bratu.

Nach Einschätzung der Expertin von TPA Romania wird dieser Ansatz entscheidend, wenn ein Projekt später in ein Schiedsverfahren mündet. Dann genügt es nicht mehr, Verluste festzustellen: Es muss dargelegt werden, wo, wann und warum sie entstanden sind und welche finanziellen Auswirkungen das streitauslösende Ereignis hatte.

Über die Analyse der Projektrentabilität hinaus kann die Interne Revision auch die betrieblichen Ursachen ermitteln, die Margen schmälern und die Kosten im Unternehmen in die Höhe treiben. Manche Prozesse funktionieren zwar formal, sind in der Praxis aber ineffizient: zu viele Freigabeschleifen, die mehrfache Erfassung derselben Daten in verschiedenen Systemen, redundante Kontrollen, manuelle Abstimmungen, unklare Zuständigkeiten oder nur noch für die Schublade erstellte Monatsberichte. In solchen Fällen sollte sich der Interne Revisor nicht mit der Frage begnügen: „Gibt es die Kontrolle?“ Er sollte auch fragen: „Warum gibt es sie?“, „Welches Risiko deckt sie ab?“, „Ist sie noch erforderlich?“, „Lässt sich der Prozess vereinfachen oder automatisieren?“

KI und die neuen Governance-Risiken

Mit dem zunehmenden Einsatz künstlicher Intelligenz bei Schätzungen, Prognosen, Preisfestsetzung, Lieferantenauswahl, Vertragsanalyse oder Personalprozessen treten neue Herausforderungen in Bezug auf Governance, Kontrolle und Verantwortlichkeit zutage. Unternehmen haben daher zentrale Fragen zu beantworten: Wer genehmigt den Einsatz von KI-Lösungen? Welche Daten dürfen dabei verwendet werden? Wer validiert die erzeugten Ergebnisse? Wie werden die eingesetzten Anwendungen überwacht? Und wer trägt die Verantwortung, wenn eine KI-gestützte Entscheidung unerwünschte Folgen hat?

Nach Ansicht der Expertin von TPA Romania kann die Interne Revision hier präventiv wirken, indem sie den KI-Governance-Rahmen, die Zuständigkeiten und Freigabeebenen, die Anwendungen und Anwendungsfälle sowie die Art und Weise beurteilt, wie Daten geschützt, Ergebnisse validiert und die Leistung der eingesetzten Lösungen überwacht werden. Ziel ist dabei nicht, den Einsatz künstlicher Intelligenz einzuschränken, sondern ihren Nutzen in einem Rahmen zu erschließen, in dem die Risiken verstanden, bewertet und angemessen gesteuert werden.

Von der Kontrollfunktion zum strategischen Partner

Die Interne Revision ist und bleibt eine unabhängige Funktion, ihre Rolle kann sich jedoch auf Bereiche ausweiten, die Leistungsfähigkeit und Resilienz des Unternehmens unmittelbar beeinflussen. Der Interne Revisor kann so zum strategischen Partner der Geschäftsleitung werden und ihr Einblick in die Risiken und Prozesse verschaffen, die die Geschäftstätigkeit prägen. Er kann dazu beitragen, die tatsächliche Rentabilität von Projekten zu verstehen, Prozesse mit Neugestaltungsbedarf zu identifizieren und das Unternehmen in Phasen der Transformation sowie bei Fusionen und Übernahmen zu unterstützen. Zugleich kann er den Governance-Rahmen für den KI-Einsatz, den Umgang mit ESG-Risiken und den Stand der Vorbereitungen auf die neuen Anforderungen an die Entgelttransparenz analysieren.

„Die vielleicht wichtigste Veränderung ist der Übergang von einer Revision, die im Nachhinein erläutert, weshalb ein Mangel aufgetreten ist, zu einer Revision, die dem Unternehmen hilft, ihn rechtzeitig zu erkennen und zu verhindern, bevor er zu Verlusten, Sanktionen oder Reputationsschäden führt. In diesem neuen Modell lauten die Fragen des Internen Revisors: Welche Risiken zeichnen sich im Unternehmen ab, was sagen uns die Daten, und wie können wir eingreifen, bevor daraus Verluste, operative Engpässe oder verpasste Chancen entstehen?“, bringt es Claudia Bratu auf den Punkt.

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